Greifswald für alle – ein Stadtbild für alle. Ein buntes Stadtbild, geprägt vom netten Miteinander und Menschen aus aller Welt, die dieses bereichern. Das ist das, was wir uns wünschen, scheint aber dem Wunsch unseres Bundeskanzlers nicht zu entsprechen.
Friedrich Merz ergänzte zu seiner schlimmen Aussage über das Stadtbild, dass man doch mal die eigene Tochter fragen solle, man bekäme wohl eine ziemlich klare Antwort. Ja, da hat er Recht, die bekommt er. Diese Veranstaltung ist eine klare Antwort und deshalb ist es umso schöner und wichtiger, dass wir hier zusammenstehen und gemeinsam antworten. Nicht der Geflüchtete ist das Problem im Stadtbild, es ist die toxische Männlichkeit. Nicht wegen der Geflüchteten schauen wir Töchter uns um, wenn wir nachts alleine unterwegs sind, sondern wegen der übergriffigen Männer, die meinen sich nehmen zu können, was sie wollen. Nicht wegen der Geflüchteten tragen Töchter Pfefferspray mit sich herum, überlegen abends, ob sie denn nun alleine vor die Tür gehen können und machen dies vielleicht mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Nicht wegen der Geflüchteten gibt es Töchter, die rein gar nicht mehr ihre Wohnung verlassen können. Und dass dies im ach so zivilisierten und fortschrittlichen Deutschland nach wie vor einfach so hingenommen wird, bzw diese Umstände nun dafür missbraucht werden, um Rückführungen zu rechtfertigen, zeigt doch das wahre Problem im deutschen Stadtbild. Toxische Männlichkeit hat kein Herkunftsland und keine Religion, sie ist ein Problem tief verwurzelt in unserer Gesellschaft. Aber möchte Friedrich Merz dieses Problem angehen? Nein: man betrachte nur die Zusammensetzung seiner Ratgeberrunden.
Ich frage mich auch, woher ein 70 Jahre alter Mann eigentlich wissen will, wie wir Töchter uns fühlen, was wir denken, was unsere Ängste sind. Ich würde behaupten, wir Töchter und Herr Merz haben doch eher wenige gemeinsame Nenner. Frage ich meine ur-Berliner Freundinnen, machen sie sich keine Sorgen wegen der MigrantInnen, sondern wegen der Männer, die sie bedrängen und belästigen – und das ganz unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion. Und damit sich manche Herrschaften nachher nicht auf den Schlips getreten fühlen: selbstverständlich sind mit den „Männern“ nicht ausnahmslos alle Männer gemeint. Es geht hierbei nicht um einen Begriff der Männerfeindlichkeit oder darum, Männer auszugrenzen. Es geht dabei um die Attitüde des alten, weißen Mannes, der dieses Bild lebt und davon profitiert, auch auf Kosten anderer. Und in dieses Bild passt das Narrativ des bösen, übergriffigen, sogenannten „Flüchtlings“ ganz wunderbar, das von der CDU nun so bestärkt wird. Komisch nur, dass die von Merz angesprochen Töchter, die in so gefährlichen Städten leben, zu über 50 % links und grün wählen und sich damit für ein noch bunteres Stadtbild mit vielen unterschiedlichen Kulturen aussprechen. Wie kann das sein? Vielleicht einfach mal die Klappe halten, wenn man keine Ahnung hat, das würde zumindest mein Stadtbild deutlich angenehmer machen.
