Proteste gegen den Parteitag der AfD-MV

Das Bündnis ‚Greifswald für alle‘ schließt sich dem Aufruf von ‚Neubrandenburg nazifrei‘ an und mobilisiert zu Protesten gegen den AfD-Landesparteitag. Wir wollen auch gemeinsam nach Neubrandenburg fahren, ein Bus kommt wegen der Corona-Lage nicht in Betracht. Mit PKW wollen wir uns am 07.11.2020 um 07:00 Uhr auf dem REWE-Parkplatz in der Grimmer Straße treffen. Wer mitfahren möchte und wer einen PKW stellen kann, ist herzlich dazu eingeladen. MNS nicht vergessen! Es folgt der Aufruf:

„Gemeinsam gegen den Landesparteitag der AfD MV am 7. und 8. November Der AfD Landesverband Mecklenburg-Vorpommern plant seinen Landesparteitag für den 7. und 8. November im Jahnsportforum in Neubrandenburg. Dabei geht es um die Weichenstellung für die Landtagswahl im nächsten Jahr. Kurz vor dem Jahrestag des Höhepunkts der Novemberpogrome der Nationalsozialisten im Jahre 1938 soll das Veranstaltungszentrum Neubrandenburg (VZN) der AfD ihre Räume zur Verfügung stellen. Die AfD ist seit der letzten Wahl deutlich radikaler geworden, muss immer mehr dem extrem rechten Spektrum zugeordnet werden. Diese Partei steht wie keine andere für eine rassistische, sexistische, islamfeindliche, antisemitische und menschenverachtende Hetze. Große Teile des Landesverbandes MV stehen hinter dem formal aufgelösten aber immer noch präsenten faschistischen „Flügel“ um Björn Höcke und dessen Vertreter Andreas Kalbitz.

Wir werden dieser Partei und deren Vertreter*innen unseren breiten und bunten Protest entgegenstellen und ein weiteres Mal zeigen, dass wir mehr sind. Neubrandenburg ist kein Ort für völkische und extrem rechte Versammlungen, sondern eine weltoffene, vielfältige Stadt! Wir stehen für ein solidarisches Miteinander, unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe und sexueller Orientierung. Daher fordern wir die Betreiber*innen des Jahnsportforums dazu auf, den Vertrag mit der AfD MV nicht zu unterzeichnen und rufen dazu auf, gegen den Parteitag zu demonstrieren. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Geplante Veranstaltungen am 07.11.2020 vor dem Jahnsportforum, Neubrandenburg:
* Kundgebungen gegen den Landesparteitag
* „Neubrandenburg bewegt sich“ – bunter Spendenlauf für Initiativen gegen rechts
* Markt der Möglichkeiten: Musik, Kultur und Redebeiträge für eine offene Gesellschaft

Um euch und andere zu schützen, bitten wir darum, eigenverantwortlich und solidarisch die Hygieneregeln (Abstand halten, Mund und Nase bedecken) einzuhalten.“


UNTERZEICHNENDE des Aufrufs: Aufstehen gegen Rassismus Mecklenburg-Vorpommern, AG Zukunftsdialog, Demmin Nazifrei, Neubrandenburg Nazifrei, Pro Bleiberecht in MV, Rostock nazifrei, VVN-BdA MV, Greifswald für alle

Einladung und Aufruf zur Mahnwache am 24.10.2020


Wer am Samstag nicht zur Antira-Demo nach Schwerin fährt, ist herzlich eingeladen der örtlichen Naziszene erneut zu zeigen, dass sie und ihre Strategien in Greifswald nicht willkommen sind.

Die Burschenschaft Markomannia-Aachen hat sich zu 20 Uhr Hans-Christoph Berndt (AfD-Landtagsabgeordneter Brandenburg und möglicher Nachfolger von Kalbitz) eingeladen um zu berichten, wie es ihm gelingt seine Arbeit in der AfD mit außerparlamentarischen Aktionen wie bspw. Anti-Corona-Demonstrationen zu verknüpfen.

Berndt ist seit 2015 vor allem als Gründer und Sprecher des Vereins „Zukunft Heimat“ bekannt geworden. Der Verein ist nach der Dresdner Pegida-Bewegung die mobilisierungsstärkste asylfeindliche Initiative in Deutschland. Von Oktober 2015 bis April 2016 veranstaltete Zukunft Heimat in verschiedenen Klein- und Mittelstädten im Süden Brandenburgs eine Reihe von Demonstrationen, in der Regel beteiligten sich etwa 300 bis 400 Personen. Die Versammlungen, an denen die Alternative für Deutschland (AfD) und verschiedene rechte Gruppierungen mitwirkten, richteten sich gegen die Aufnahme Geflüchteter. Im Mai 2017 startete der Verein in Cottbus eine Kampagne unter dem Motto „Grenzen ziehen“. Im zweiwöchentlichen Takt kamen seitdem jeweils einige Hundert Anhänger_innen zusammen.

Bis heute veranstaltet der Verein Demonstrationen in Cottbus, die einige Hundert Personen auf die Straße bringen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie setzte der Verein zusätzlich die Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung auf die Agenda und rief zu Protestveranstaltungen auf.

Darüber hinaus unterhält der Verein enge Verbindungen zum extrem rechten Netzwerk „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“, das 2012 verboten wurde. Unter dem Netzwerk fungierte auch die Gruppierung „Spreelichter“. Sie organisierte nächtliche Fackelmärsche mit teilweise mehreren hundert Teilnehmern und stellte Videos davon ins Internet. Die Umzüge mit weißen Masken, die an eine Mischung aus Ku-Klux-Klan und Anonymous erinnerten, fanden unangekündigt in kleineren ostdeutschen Städten statt und konnten von der Polizei kaum verhindert werden. Als Kopf der „Spreelichter“ gilt der mutmaßliche Rechtsextremist Marcel Forstmeier.

Als Bündnis möchten wir euch nicht nur zur Teilnahme an der Mahnwache ermutigen, sondern freuen uns auch über Redebeiträge und mitgebrachte Transparente, um unseren Protest deutlich hör- und sichtbar inhaltlich unterstreichen zu können.

Natürlich raten wir allen Teilnehmer*innen sich an das, auf Grund aktueller Hygienebestimmungen geltende Vermummungsgebot zu halten. Tragt also bitte eine Mund-Nasen-Bedeckung!

24.10.2020
19 Uhr
vor der Markomannia Aachen (Karl-Marx-Platz 12)

STRAZE Eröffnungswochen: offene Plenumssitzung des Bündnisses „Greifswald für alle“

https://straze.de/programm/detail/offene-plenumssitzung-des-buendnisses-greifswald-fuer-alle

Das Bündnis gründete sich im Herbst 2015, als in Greifswald pegidaähnliche Demos zunächst unter „Greifswald wehrt sich“ und dann unter „Frieden,Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit“ versuchten, die Straßen der Stadt zu erobern. Von der ersten Minute an war klar, dass nicht „besorgte Bürger*innen“, sondern Rassisten, Antisemiten und Antidemokraten hierbei den Ton angaben.
Stand zunächst der Protest dagegen im Vordergrund der Arbeit des Bündnisses, zeigte sich im Weiteren, dass auch andere Anlässe (z.B. AfD- oder Burschenschaftsveranstaltungen) Protest erforderten.

Wir würden gerne mit Interessierten ins Gespräch kommen, Mitstreiter*innen finden und gemeinsam überlegen, welche Aufgaben ein breites demokratisches und antifaschistisches Bündnis in Greifswald (und im Umland?) hat und haben könnte. Geplant bzw. in der Überlegung sind regelmäßige Plenaveranstaltungen in größeren Abständen.
Lasst uns gemeinsam überlegen, planen und Ideen sammeln. Seid herzlich eingeladen.

Einlass: 18:45, Beginn: 19:00

Rassismus gibt es überall, auch hier – reden wir darüber!

Der Fussballklub FC Al Karama wird bei einem Fussballspiel angefeindet und beschimpft, Artikel in der Lokalzeitung fokussieren unsachlich den kulturellen Hintergrund einzelner Personen, es wird mehrfach ein Schweinekopf vor dem Islamischen Kulturzentrum abgelegt. Was können wir, als Gesellschaft, solchen rassistisch motivierten Geschehnissen entgegensetzen? Wie können wir Betroffene unterstützen?

Gemeinsam mit euch und Vertreter_innen der Zivilgesellschaft, die in verschiedenen Lebensbereichen mit Rassismus konfrontiert sind, möchten wir im Hof des Evangelischen Pfarramts St. Jacobi am Karl-Marx-Platz 4 im Rahmen unseres DemokraTisches am 22.09. um 19:00 Uhr über das Thema Rassismus in Greifswald ins Gespräch kommen.

Wir freuen uns auf einen regen Austausch miteinander. Die anderen DemokraTische findet ihr hier.

Gemeinsame Stellungnahme zum islamfeindlichen Vorfall am Islamischen Kulturzentrum Greifswald e.V.

Wir haben mit Abscheu und tiefer Bestürzung von dem Übergriff auf den Verein Islamisches Kulturzentrum Greifswald e.V. am vergangenen Sonntag erfahren. Wir möchten allen Mitgliedern der muslimischen Gemeinde unser Mitgefühl und unsere uneingeschränkte Solidarität versichern. Sie sind nicht allein!

Wir, das ist ein breites Netzwerk an Organisationen, Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich für ein demokratisches Zusammenleben und für die Vielfalt in Greifswald einsetzen. Dazu gehören das Netzwerk Migration Greifswald, vertreten durch die Integrationsbeauftragte der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, in dem auch das Islamisches Kulturzentrum Greifswald ein langjähriges und wichtiges Mitglied ist, das benachbarte Quartiersbüro der Caritas, der Stadtjugendring Greifswald, die Partnerschaft für Demokratie Greifswald, die Offene Jugendarbeit der Evangelischen Altstadtgemeinden, die Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirche und der Integrationsbeauftragte des Landkreises Vorpommern-Greifswald.

Wir wenden uns gegen jede Form von Islamfeindlichkeit, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Provokationen wie diese vergiften das Zusammenleben in unserer Stadt. Sie sind nicht hinzunehmen und nicht zu verharmlosen. Diese Tat ist inakzeptabel und repräsentiert nicht die Einstellung der Mehrheit der Gesellschaft. Die Glaubens- und Religionsfreiheit ist durch das Grundgesetz geschützt.

Greifswald ist und bleibt weltoffen und bunt!

Greifswald, 16.07.2020

Rassismus tötet. Überall.

Warum es in Greifswald eine Black-Lives-Matter-Demonstration gab:

George Floyd, Breonna Taylor, Rayshard Brooks: Drei Menschen, die ermordet wurden, weil ihre Haut für das Verständnis der Polizisten, denen sie in einer kritischen Situation begegneten, zu dunkel war. „They want to destroy your body“, so schreibt der US-amerikanische Schriftsteller Ta-Nehisi Coates an seinen fünfzehnjährigen Sohn. Sein bewegender Brief ist eine schmerzliche Lektüre; und die jüngsten Ereignisse zeigen wieder einmal, dass „The Talk“ – das Gespräch über die Regeln, denen dunkelhäutige Jugendliche in der Öffentlichkeit und insbesondere bei Begegnungen mit der Polizei unbedingt folgen sollten und das alle Schwarzen Eltern mit ihren Kindern früher oder später führen – immer noch nicht überflüssig geworden ist.

Insbesondere der Mord an George Floyd durch den Polizeibeamten Chauvin hat die Öffentlichkeit weltweit aufgerüttelt. Wie der Schauspieler Will Smith sagte: „Diese Dinge sind schon immer geschehen. Der Unterschied besteht darin, dass sie heute gefilmt werden.“ Das heißt: Es gibt Zeugen. Viele von uns haben George Floyds Sterben 8 Minuten und 46 Sekunden lang zugesehen und es kaum ertragen. Und wir alle finden den Gedanken unerträglich, dass sich solche Situationen wiederholen könnten. Spoiler Alert: Sie werden sich wiederholen. Denn Rassismus ist nicht nur die Grundlage für das menschenfeindliche Handeln einzelner Personen. Rassismus ist ein System.

Rassismus ist ein System, das denjenigen nützt, die die Macht haben und auch behalten wollen. Das sind – weltweit – immer noch weißhäutige Menschen. In unserer Welt stehen wir selber im Zentrum. Und das möchten wir weder teilen noch verlassen.Schon im Mittelalter galt weiß als die Farbe des Guten, schwarz als die Farbe des Diabolischen. Licht und Dunkelheit umgaben auch die in der Kunst dargestellten Menschen und deuteten so ihre Persönlichkeit an.Ausgerechnet mit Beginn der Aufklärung begegneten die Europäer verstärkt und organisiert solchen Menschen, deren Haut dunkler war als die eigene: Im frisch „entdeckten“ Amerika, auf dem afrikanischen Kontinent. Da ließ sich die moralische Zuschreibung wunderbar auf das körperliche Äußere der Menschen übertragen; und daran wirkten auch deutsche Philosophen, wie etwa Kant und Hegel, in der Folgezeit mit.Nur auf diese Weise konnten weiße Menschen den „unbewohnten“ Kontinent Amerika mit voller Brutalität erobern, und nur auf diese Weise konnten Europäer afrikanische Menschen versklaven, verkaufen, wegwerfen: Diese dunkelhäutigen Kinder, Frauen und Männer waren ja eigentlich gar keine „richtigen“ Menschen.

Die Wissenschaft – auch die deutsche – lieferte dafür gern weiterführende „Beweise“. Die Beurteilung des Phänotyps, die Vermessung der Schädel, die Einordnung von Augen- und Haarfarben, von Nasengrößen… das alles hat eine lange und unrühmliche Tradition.Im Zeitalter des Kolonialismus und Imperialismus konnte Europa andere Nationen bevormunden, ausbeuten, zerstören. Das geschah bar jeder Empathie, dafür aber mit ungeheurer Professionalität, deren Auswirkungen in den europäischen Gesellschaften kaum jemanden interessierten. Als besonders schreckliches Beispiel sei der Völkermord an den Herero und Nama genannt, der zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika mindestens 50.000 Schwarze Menschen das Leben kostete. (Erst 107 Jahre später, im Jahr 2015, verwendete das Auswärtige Amt für die damalige Brutalität zum ersten Mal den zutreffenden Begriff: „Völkermord“.)

Die europäischen Nationen, auch die Deutschen, schwankten in ihrer Wahrnehmung zwischen klischeehafter Bewunderung des „Exotischen“, des „Ursprünglichen“ – und der absoluten Abwertung des „Primitiven“. Beides ist und bleibt zutiefst rassistisch. Einen Höhepunkt dieser Kombination stellen die „Menschenschauen“ dar, die etwa der Tierpark Hagenbeck in Hamburg bis 1930 veranstaltete: Gleich neben den Gehegen der Tiere konnten die Besucher des Zoos etwa das sogenannte „Alltagsleben“ im sogenannten „afrikanischen Dorf“ bestaunen. Und sie konnten dabei immer beruhigt und im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit auf das hinabsehen, was ihnen als Bild dargeboten wurde.

Ihren schrecklichen Höhepunkt fand die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland mit der industrialisierten Vernichtung von Menschen, insbesondere der Juden – scheinwissenschaftlich begründet und ohne jeden Zweifel nicht nur antisemitisch, sondern auch rassistisch.

1945 war der Spuk vorbei.

Der Spuk? Vorbei?

Wer wollte ernsthaft glauben, dass fünf Jahrhunderte eurozentrischen Dünkels von einem Tag auf den anderen aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden wären? In den folgenden Jahrzehnten gab und gibt es auch in Deutschland immer wieder rassistisches Verhalten, rassistisch motivierte Gewalt. Und sie ist nach wie vor nicht nur bei Einzeltäter*innen zu verorten; sie ist und bleibt Teil eines Systems.Weltweit tötet Rassismus Menschen. Auch die Corona-Pandemie trifft in diesem Jahr überproportional die Menschen mit brauner Haut: zum Beispiel indische Wanderarbeiter*innen, die Bewohner*innen brasilianischer Favelas, Indigene am Amazonas, Schwarze Menschen in den USA. Sie sind deshalb besonders betroffen, weil ihre Rechte im Alltag ohnehin nicht respektiert werden; weil sie innerhalb ihrer Gesellschaft ohnehin Benachteiligte sind: unter anderem in Sachen Bildung, Gesundheit, Berufsaussichten. Das hat, weltweit, System.Und auch in Deutschland ist es nicht anders. Nicht in der Öffentlichkeit, nicht in den Institutionen und Organen unserer Gesellschaft. Jede rassistische Handlung ist, immer wieder, kein Einzelfall und nicht nur dem einzelnen Täter, der einzelnen Täterin zuzuschreiben.Bevor wir das nicht verstanden haben, werden wir auch kaum etwas daran ändern können.

Wir dürfen bei uns selbst anfangen, jede und jeder einzelne.Und erst recht dürfen und müssen wir einen außerordentlich kritischen Blick auf unsere Institutionen werfen – auf Behörden und Ämter, Schulen und Kindergärten, und, ja: auch auf die Polizei und alle weiteren Sicherheitsorgane. Wer das staatliche Gewaltmonopol in der Öffentlichkeit vertritt und für unser aller Sicherheit garantieren soll, muss doppelt und dreifach darauf achten, tatsächlich und nicht nur nominell die Würde aller Menschen zu schützen und zu achten.Es wird noch eine Weile dauern, bis es uns als Gesellschaft konsequent gelingt, alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – Rassismus, Antisemitismus, Frauenverachtung, Diskriminierung aller Menschen jenseits heterosexueller Lebens- und Liebesentwürfe usw. – zu ächten und zu beenden. Fangen wir an.

Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen – als „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – umstrittenerweise teilweise auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt. Dabei betrachten Rassisten alle Menschen, die ihren eigenen Merkmalen möglichst ähnlich sind, grundsätzlich als höherwertig, während alle anderen (oftmals abgestuft) als geringerwertig diskriminiert werden. Mit solchen Rassentheorien, die angeblich wissenschaftlich untermauert sind, wurden und werden diverse Handlungen gerechtfertigt, die den heute angewandten allgemeinen Menschenrechten widersprechen.

Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der Begriff der Rasse mit dem ethnologisch-soziologischen Begriff „Volk“ vermengt, z. B. von der „völkischen Bewegung“ in Deutschland und Österreich.

Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall deren Existenzberechtigung in Frage. Rassistische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen.

Unabhängig von seiner Herkunft kann jeder Mensch von Rassismus betroffen sein. Das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung unterscheidet nicht zwischen rassistischer und ethnischer Diskriminierung. Ein erweiterter Rassismusbegriff kann auch eine Vielzahl anderer Kategorien einbeziehen. Menschen mit rassistischen Vorurteilen diskriminieren andere aufgrund solcher Zugehörigkeit, institutioneller Rassismus verweigert bestimmten Gruppen Vorteile und Leistungen oder privilegiert andere. Rassistische Theorien und Argumentationsmuster dienen der Rechtfertigung von Herrschaftsverhältnissen und der Mobilisierung von Menschen für politische Ziele. Die Folgen von Rassismus reichen von Vorurteilen und Diskriminierung über Rassentrennung, Sklaverei und Pogrome bis zu sogenannten „ethnischen Säuberungen“ und Völkermord.

Zur Distanzierung vom Rassebegriff wird in der Humanbiologie heute nur noch eine (willkürliche) Untergliederung des Menschen in Populationen vorgenommen. In der Biologie ist Homo sapiens die einzige rezente Art und wird weder in „Rassen“ noch in Unterarten unterteilt.